Die Lese-Rechtschreib-Schule im Studienkreis
 
 

Fragen und Antworten zu LRS


Wir haben Ihnen hier Antworten auf die häufigst gestellten Eltern-Fragen zum Thema Lese-Rechtschreibschwäche zusammengestellt.


Was kann ich tun, wenn ich vermute, dass mein Kind Lese-Rechtschreib-Probleme hat?
Für welches Alter bietet der Studienkreis LRS-Förderung an?
Wie sieht der Unterricht konkret aus?
Warum soll mein Kind Lese-Rechtschreib-Untersuchung machen?
Was ist phonologische Bewusstheit?
Wie erfolgt eigentlich der Erwerb der Schriftsprache?
Welche Lernvoraussetzungen kann ich zu Hause fördern?
Ist Einzelunterricht nicht sinnvoller?
Kann man sich den Förderunterricht einmal anschauen?

Was kann ich tun, wenn ich vermute, dass mein Kind Lese-Rechtschreib-Probleme hat ?
Wenn Sie mehrere Anhaltspunkte feststellen, sollten Sie mit Experten über Ihre Sorge sprechen. Ihr Kind könnte lese-rechtschreibschwach sein. Ansprechpartner sind Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Schulpsychologische Dienst, Kinderpsychologen, Erziehungsberatungsstellen und Legasthenieverbände. Sollte unsere Lese-Rechtschreib-Förderung in Ihrer Nähe angeboten werden, kann Ihr Kind an einer fundierten Testung teilnehmen, die Aufschluss über eine gezielte Förderung gibt.


Für welches Alter bietet der Studienkreis LRS-Förderung an?
Ab der zweiten Klasse bis Klasse 6.


Wie sieht der Unterricht konkret aus?
Die Förderung findet in kleinen Gruppen von drei bis fünf Schülerinnen und Schülern statt. Ein ausgewogener Wechsel von Lernspielen, Tafelübungen und Arbeitsblättern ermöglicht in 90 Minuten Förderung ein konzentriertes und differenziertes Arbeiten. Jedes Kind wird dabei gemäß seiner individuellen Schwierigkeiten gefördert.


Warum soll mein Kind eine Lese-Rechtschreib-Untersuchung machen?
Durch die Auswertung der Testleistung wird deutlich, wo Ihr Kind steht: Wir wissen dann, ob die klassische Deutsch-Nachhilfe ausreicht, oder aber, ob es eine therapeutische Begleitung benötigt, die in die Hände von Lerntherapeuten und Heilpädagogen gehört. So können wir ein Förderprogramm speziell auf die Probleme Ihres Kindes zuschneiden.


Was ist phonologische Bewusstheit?
Sie bezeichnet die Fähigkeit, die Lautstruktur in gehörter Sprache zu verstehen und anzuwenden, also z. B. Einzellaute oder Silben. Untersuchungen haben gezeigt, dass Defizite in diesem Bereich in engem Zusammenhang zu Lese-Rechtschreibproblemen stehen. Eine mangelnde phonologische Bewusstheit im Vorschulalter lässt sich so als Risikofaktor einer sich in der Grundschulzeit entwickelnden Lese-Rechtschreibschwäche kennzeichnen.

Wie erfolgt eigentlich der Erwerb der Schriftsprache?

Der Schriftspracherwerb lässt sich durch folgende Stufen beschreiben (vgl. Ganser, 2000, 10ff.):
1. logographische Stufe
Auf dieser Stufe wird erfahren, dass Buchstaben eine bestimmte Form haben, wodurch sie sich unterscheiden. Wörter unterscheiden sich dementsprechend durch verschiedene Buchstabenkombinationen. Eine Kenntnis, dass ein und derselbe Buchstabe je nach Wort für einen verschiedenen Laut stehen kann, liegt dagegen noch nicht vor (z.B. [e] in ?Ente? klingt wie ein [ä], [e] in ?Esel? wie ein [e:]; man nennt dieses Verständnis der Zeichen-Laut-Zuordnung Phonem-Graphem-Korrespondenz; auch Buchstabenfolgen können für nur einen Laut stehen: z. B. [sch], [ch]). Aufgrund von augenfälligen Merkmalen wie Anfangsbuchstaben, Wortlänge usw. werden Wortnamen gemerkt.

2. alphabetische Stufe
Auf dieser Stufe erkennen die Kinder, dass nicht die Buchstabennamen (z.B. [em] für [m]) beim Lesen relevant sind, sondern die Laute. Zunächst Einzelgrapheme entziffernd, werden zunehmend auch Graphemfolgen (zwei, drei, vier Grapheme) simultan erfasst. Das Verständnis für die Phonem-Graphem-Korrespondenz wird nun erworben. Mittels Lautanalyse des gesprochenen Wortes kommen die Kinder nun zu lauttreuen Verschriftlichungen (z.B. Foia für Feuer). Will man den Kindern also das Schreibenlernen erleichtern, ist es hilfreich, an Wörtern zu üben, die eine eindeutige Zuordnung von Laut zur Schrift ermöglichen (z.B. Mama, Haus, Regen; nicht aber: Stuhl, Fuchs, Qualle).

3. orthographische Stufe
Ihr bisher erworbenes Wissen wird nun noch um orthographisches Regelwissen ergänzt: So gibt es Wörter, in denen Buchstaben vorkommen, die man beim Sprechen nicht erkennt (z.B. das Dehnungs-h in Wörtern wie [fahren], [wahr]). Einige Wörter und Wortteile entziehen sich sogar einer lautlichen Regelmäßigkeit (z.B. [Moor], aber [Tor] oder [Fuchs], aber [Jux]). Regelhafte Schreibungen (Prinzip der Wortfamilie, Groß- und Kleinschreibung, Dehnung, Dopplung ...) müssen gelernt werden. Es gilt also die Fähigkeit zu entwickeln, nicht lautgetreue Wörter orthographisch richtig schreiben zu können, indem man sich Regeln bewusst macht oder auswendig gelernte Verschriftlichungen aus dem Gedächtnis abruft.

4. morphematische Stufe
Per Anwendung und Übung der Schriftsprache wird die Buchstabenebene des Wortverständnisses verlassen. Wörter werden zunehmend an ihren Morphemen erkannt. Morphem-Einheiten sind dabei Wortstämme (z.B. [Fahr] in [fahren], [Fahrt], [Fahrstuhl]), Vorsilben, Nachsilben und Endungen ([abfahren] besteht z.B. aus der Vorsilbe [ab], dem Wortstamm [fahr] und der Endung [en]). Erkennt man die Wortbedeutung und kann die Wortstruktur analysieren, so kann man sich strittige Punkte beim Schreiben selbst herleiten (z.B. das Dehnungs-h in [Abfahrt], da der Wortstamm [fahr] bekannt ist).

5. Stufe der Wort übergreifenden Strategie
Nun kommen weitere Inhalte hinzu, die beim Schreiben von Sätzen bedeutsam sind: Wortart (für Groß- und Kleinschreibung bedeutsam), Wortsemantik (für die Frage nach Zusammen- und Getrenntschreibung), Satzgrammatik (z. B. Kommasetzung) und Verwendungsart des Satzes (z. B. wörtliche Rede).

Auf jeder dieser Stufen sind nun spezifische Fehler möglich, die für Defizite im jeweiligen Strategiebereich kennzeichnend sind. Diese Fehler lassen sich kategorisieren. Die Fehler rechtschreibschwacher Schüler manifestieren sich dabei überwiegend im Bereich der alphabetischen und der orthografischen Strategie (die logographische Strategie berührt vornehmlich den Leseerwerb, die morphematische und die wortübergreifende Strategie sind elaboriertere Techniken des Rechtschreibens, die eine Beherrschung der alphabetischen und orthographischen Strategie möglichst voraussetzen und/oder Grammatikfragen berühren).
Quelle: Ganser, B. (2000). Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten ? eine Störung im Lernprozess. In: Akademie für Lehrerfortbildung Dillingen (Hrsg.). Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (S. 7-15). Donauwörth: Auer.


Welche Lernvoraussetzungen kann ich zu Hause fördern?
Alle. Durch eine erhöhte Aufmerksamkeit für die 'Sinnesleistungen' der Kinder, also die Fähigkeit zu hören, zu sehen, zu artikulieren usw. können Sie Schwierigkeiten früh erkennen und darauf reagieren, beispielsweise durch einen abklärenden Besuch beim Kinderarzt. Aber auch ein ruhiger, möglichst konzentrativer Lebensstil ohne allzu viele Reize, in dem Freizeitaktivitäten wie Sport, gemeinsames Spielen und Basteln Platz finden, fördert die Leistungen Ihres Kindes. Gerne wird die Lehrkraft der Lese-Rechtschreib-Schule ihre Beobachtungen mit Ihnen austauschen und konkrete Hinweise geben, wie Sie Ihr Kind in der Familie ganz beiläufig und spielerisch im Alltag fördern können.

Ist Einzelunterricht nicht sinnvoller?
Nein (es sei denn, ein Schüler muss an die Gruppe herangeführt werden). Das Förderkonzept ist beispielsweise durch die Lernspiele und Gesprächsphasen speziell für eine Gruppen-Arbeit angelegt: Die Kinder sollen nicht nur das Lesen und Schreiben erlernen, sondern auch Hemmungen verlieren, erkennen, dass andere Kinder ähnliche Probleme haben, und sich mit gestärktem Selbstbewusstsein und verbesserter sozialer Kompetenz in ihrem Klassenverband an der öffentlichen Schule bewegen.


Kann man sich den Förderunterricht einmal anschauen?
Die Teilnahme an einer Unterrichtsstunde ist grundsätzlich möglich. Der Studienkreis in Ihrer Nähe macht gerne einen Terminvorschlag.



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Die Tests zur Feststellung einer Lese-Rechtschreibschwäche werden von qualifizierten Fachkräften in den Lese-Rechtschreib-Schulen durchgeführt. Sollte bei Ihrem Kind eine solche Lernschwäche festgestellt werden, können Sie gemeinsam mit den Experten die Planung der individuellen Förderung besprechen.

Die Lese-Rechtschreib-Schulen im Studienkreis bieten mit ihrem Rechtschreibkonzept eine auf die Stärken und Schwächen des Kindes abgestimmte Förderung an. Außerdem absolvieren die teilnehmenden Kinder Übungen zur Verbesserung der Lesefähigkeit und den wesentlichen Lernvoraussetzungen wie Motorik, Entspannung oder Konzentration, insbesondere zur „phonologischen Bewusstheit“ – also das Wissen um und Handeln mit gesprochener Sprache.
Jeder zweite Grundschüler hat Schwierigkeiten sich zu konzentrieren, haben Befragungen von Eltern gezeigt. Die Konzentrationsfähigkeit spielt auch bei dem Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen eine große Rolle. So gehen Lernschwierigkeiten nicht selten mit Konzentrationsschwächen einher. Betroffenen Kindern sollte deshalb so früh wie möglich geholfen werden, damit sich schlechte Schulnoten gar nicht erst festsetzen.